Der Oldtimer Kauf
Die meisten Fehler passieren schon beim Kauf eines Oldtimers. Meist deshalb, weil hier nicht einfach rational Vor- und Nachteile abgewogen werden, sondern oft auch starke Gefühle mitspielen. Sie sollten daher auf jeden Fall einen fachkundigen Berater zum Anschauungstermin mitnehmen. Dieser soll Sie nicht nur bei der Fehlersuche unterstützen, sondern hat auch die Funktion, Ihren Enthusiasmus im Notfall zu bremsen und Sie wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Wenn Sie keinen solchen Berater im Bekanntenkreis haben, sollten Sie sich an einen Markenclub wenden. Meist lässt sich dort für kleines Geld ein Clubmitglied mit der Kaufberatung beauftragen.Vor der eigentlichen Besichtigung sollten Sie sich vom Verkäufer alle Unterlagen zum Fahrzeug zeigen lassen und Informationen über dessen Historie einholen. Vorsicht ist geboten, wenn der Verkäufer den Oldtimer selbst erst vor kurzer Zeit erworben hat. Es könnte sich um einen klassischen Blender handeln, der möglichst schnell wieder losgeschlagen werden soll. Um solche Fahrzeuge zu entlarven, empfiehlt es sich, einige Utensilien zum Besichtigungstermin mitzunehmen. Die wichtigsten sind ein kleiner Magnet, eine Taschenlampe und evtl. eine Decke, um sich auch mal unter das Objekt legen zu können. Echte Profis nehmen zusätzlich noch ein Lackstärkemessgerät mit, das muss aber nicht unbedingt sein.
Nun kann die Besichtigung des Fahrzeugs beginnen. Schauen Sie sich zunächst die Karosserie von außen rundum an. Rostschäden sollten sich in Grenzen halten, wenn Sie das Fahrzeug nicht komplett restaurieren wollen. Stimmen die Spaltmaße? Gibt es Verwerfungen im Blech, wenn man im spitzen Winkel an der Fahrzeugseite entlang schaut? Falls ja, könnte dies auf einen Unfallschaden oder große Spachtelorgien hindeuten. Prüfen Sie nun, ob alle Anbauteile vollständig vorhanden sind. Fehlende Zierteile können bei Oldtimern sehr viel Geld verschlingen – wenn sie überhaupt noch aufzutreiben sind. Im Innenraum und Kofferraum sollten Sie auf den Geruch achten. Riecht es muffig, sind fast immer defekte Dichtungen die Ursache, welche Wasser eindringen lassen. Meist sind dann Rostschäden die Folge. Vergessen Sie nicht, auch unter Teppichen und Verkleidungen nachzusehen. Der Innenraum sollte in originalem Zustand, d.h. unverbastelt sein. Vorsicht bei Löchern oder zusätzlichen Instrumenten im Armaturenbrett – die Beseitigung geht meistens arg ins Geld. Schauen Sie sich die Sitzgruppe an. Ältere Fahrzeuge haben meist Leder- oder Kunstledersitze. Das Material wird bei nachlässiger Pflege mit der Zeit spröde und reißt auf. Kleinere Schäden lassen sich in der Regel reparieren, bei großen Rissen müssen die Sitze komplett neu bezogen werden – ein teurer Spaß.
Wenden wir uns nun der Technik zu. Schauen Sie sich zunächst den Motorraum an. Rost an den Längsträgern oder im Bereich der Stoßdämpferaufnahmen verheißt nichts Gutes. Hier muss aufwendig restauriert werden. Motor und Getriebe sollten nicht übermäßig ölen, auch der restliche Antriebsstrang muss trocken und rostfrei sein. Achtung bei blitzsauberen Motoren – hier könnte durch eine Motorwäsche etwas vertuscht worden sein. Öffnen Sie Kühlwasserbehälter und Öldeckel. Es darf sich weder Öl im Kühlwasser befinden, noch umgekehrt. Ein weißer Schaum auf dem Ölmessstab oder an der Einfüllöffnung deutet auf eine defekte Zylinderkopfdichtung hin. Dunkler Schlamm spricht dagegen für vergessene Ölwechsel oder überwiegenden Kurzstreckenverkehr. Lassen Sie den Motor eine Weile im Stand laufen. Er sollte ruhig arbeiten, d.h. keine großen Drehzahlschwankungen aufweisen, ansonsten könnten Vergaser bzw. Einspritzanlage defekt oder undicht sein. Das gilt ebenso, wenn blaue Rauchwolken aus dem Auspuff kommen – hier könnten auch noch die Ventile oder deren Abdichtungen verschlissen sein. Der Motor darf keine lauten Nebengeräusche aufweisen. Falls doch, deutet dies fast immer auf einen größeren Schaden hin. Rasseln weist z.B. auf eine verschlissene Steuerkette hin; durch klopfende Geräusche kann sich ein beginnender Lagerschaden abzeichnen. Bei der obligatorischen Probefahrt sollen Sie auf den ordnungsgemäßen Zustand von Lenkung und Bremsen achten. Die Bremsen müssen gleichmäßig ziehen, das Fahrzeug darf beim Bremsvorgang nicht zur Seite ausweichen. Die Lenkung sollte leichtgängig und ohne Spiel arbeiten und beim Betätigen keine Geräusche machen. Gleiches gilt für Kupplung und Getriebe. Achten Sie auch auf das Fahrwerk. Das Fahrzeug darf nach dem Ausfedern nicht übermäßig nachwippen, andernfalls sind die Stoßdämpfer defekt. Geräusche beim Einfedern können auf gebrochene Federn hindeuten.
Fallen alle Prüfpunkte zu Ihrer Zufriedenheit aus, und auch der mitgebrachte Berater gibt grünes Licht, steht dem Kauf nichts mehr im Wege – vorausgesetzt, Sie können sich auf einen guten Preis einigen!